Paraschat Wajechi

Die Parascha in Kürze
  • Jakows Tod naht und er schickt nach Josef
  • Josef bringt seine zwei Söhne Menasche und Eph-raim zum Sterbebett Jakows
  • Jakow segnet die beiden und hebt sie in den Stand der 12 Stämme
  • Beim Segen zieht Jakow Ephraim Menasche vor und keiner der beiden widerspricht
  • Jakow versammelt alle seine Söhne und gibt ihnen seinen letzten Segen, der gleichzeitig eine Prophe-zeiung über ihre Zukunft ist
  • Jakow nimmt ihnen das Versprechen ab, ihn in Heb-ron, im Land Israel, zu begraben
  • Ganz Ägypten betrauert Jakows Tod
  • Das Buch Bereschit schließt mit dem Tod Josefs

„Dwar“ der Woche

Bereschit 48:31: „Da sprach er: Schwöre mir (dass Josef Jakow in Kenaan und nicht in Ägypten begraben wird). Da schwur er ihm und Israel bückte sich zum Kopfende des Bettes hin." Raschi führt hier aus, dass Jakow in die-sem Moment gesehen hat, dass Josef bis zu dieser Stunde ein Gerechter geblieben ist. Was war an diesem Moment so speziell, dass Josef als Gerechter klar zu erkennen war? Um dies zu verstehen, müssen wir zuerst Josefs ungewöhnliche Lage betrachten. Ein Minister, der in einem ihm fremden Land regiert, versucht von Natur aus seinem Land zu zeigen, wie sehr es ihm dort gefällt und wie tief ver-bunden er sich mit seinem „neuen" Land fühlt. Ja manche zeigen sogar einen übertriebenen Patriotismus, um ihrer Umgebung und ihrem Volk zu gefallen. Josef war ein „Ausländer" in Ägypten. Politisch gesehen hätte er sich so viel wie möglich als stolzer Ägypter zeigen sollen, um nicht die Gunst in den Augen des Volkes und Pharaos zu verlieren. Wenn er Jakow in Ägypten begraben hätte und somit mit seinem Finger auf seines Vaters Grab hätte zeigen und proklamieren können, dass sein Vater schon in Ägyp-ten begraben wurde und er sich so ei-gentlich schon als zweite Generation Ägypter zählen darf, wäre das für seine Laufbahn sehr nützlich gewesen. Josef jedoch ging gegen jede politische Logik und nahm seinen Vater, um ihn im Aus-land zu begraben. Josef nahm einen po-litischen Verlust in Kauf, um seines Vaters Wunsch zu ehren. In diesem Augenblick konnte Jakow Josefs Rechtschaffen-heit sehen, der seine eigenen Interessen hintanstellte.

Konzept der Woche

Nach Jakows Tod fürchteten Josefs Brüder, dass Josef sich an ihnen rächen wollte. Sie dachten, dass er nur auf den Moment nach dem Tod des Vaters wartete, um sie dafür zu bestrafen, dass sie ihn damals nach Ägypten verkauft hatten. Sie sagten daher zu Josef, dass Jakow von Josef gewollt habe, er möge ihnen verzeihen. Sie logen also vor lauter Angst, denn Jakow hatte so etwas nie gesagt. Josef war sich der Lüge bewusst und antwor-tete ihnen, dass G“tt alles zum Guten vorgesehen hatte, obwohl die Brüder ihm Böses gewollt hatten. Er war we-der nachtragend noch hegte er irgendwelche Rachegefühle. Der Midrasch erzählt, dass Josef während all seiner Jah-re in Ägypten nie seinen Vater besucht habe, weil er nicht von ihm gefragt werden wollte, wie er dorthin ge-kommen sei. Er wollte einfach kein schlechtes Wort über seine Brüder sagen. Wie kann ein Mensch so stark sein und seine Gefühle so unter Kontrolle haben? Im Talmud wird von Nachum Isch Gam-Su erzählt, der bei jedem Ereignis, auch wenn es nicht gut war, immer nur sagte: „Gam-su Letowa – Alles ist zum Guten.“ Ein-mal musste er dem König als Geschenk der Juden eine Kiste mit Perlen und Diamanten übergeben. Auf dem Weg dorthin wurde der Inhalt der Kiste mit Erde ausge-tauscht. Nichts ahnend überreichte er dem König die Kiste, dem beim Öffnen der Zorn ins Gesicht stieg. Na-chum sagte sich sofort, dass auch dies zum Guten sei. Gleich sprach ein Diener, dass der Stammvater der Ju-den, Awraham, gewisse Erde erfolgreich im Krieg ver-wendet hätte, die durch ein Wunder zu Pfeilen wurde. Der König ließ dies sogleich prüfen und tatsächlich ge-schah dieses Wunder und half dem König seine Kriege zu gewinnen. Auch wenn es für uns zuerst nicht so aussieht, kann aus einer schlechten Situation etwas Gutes erwachsen.

„Maisse“ der Woche

Auf die Frage: „Wohin gehst du, unser Lehrer?“, pflegte Hillel manchmal so zu antworten: „Ich gehe mich ein bisschen mit Speisen zu stärken, um so meinem Gast einen herzlichen Empfang zu bereiten.“ „Und wer ist denn der Gast, der täglich in deinem Hause weilt?“ „Ist denn die arme Seele nicht auch ein Gast in unserem Körper? Heute ist sie hier, und morgen schaust du hin, und weg ist sie.“ (Midrasch: Waikra R., 34)

Mit freundlicher Unterstützung von HaMakor.de und Rabinner Aron Orzel